Lost in Translation

Vor ein paar Monaten ist mir in der U-Bahn etwas Komisches passiert. Ein Mann, der offensichtlich ein Ausländer war, hat mich angesprochen und irgendwas in Richtung „American? Russian?“ gefragt. Anschließend hat er noch ein paar mir unverständliche Sätze von sich gegeben. Ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte und war froh als ich endlich aus der Bahn aussteigen konnte und damit das Problem der Verständigung „gelöst“ war.

An dieses Erlebnis wurde ich heute Abend zurückerinnert – nur, dass es diesmal um einiges seltsamer war. Aber von Anfang an: Freitag morgens habe ich mich auf den Weg ins Allgäu gemacht, um Lukas zu besuchen und Kempten kennen zu lernen. Was ich da so erlebt habe, erzähle ich euch demnächst. Im Moment beschränken wir uns mal auf Samstag Abend.

Eigentlich wollten wir ja Billard spielen gehen. Eigentlich. Blöderweise hatte die Billard-Bar geschlossen und so sind wir kurzerhand auf den örtlichen Pub ausgewichen. Ein kleiner, schöner und sehr authentisch wirkender irischer Pub, der eigentlich einen gemütlichen Abend versprach. Wir setzten uns also an einen Tisch und es dauert nicht lange bis ein Mann mit offenem Hemd, bei dem lediglich ein Knopf geschlossen war und somit den nackten Bauch dieses Wesens offen legte, an unseren Tisch trat und etwas unverständliches murmelte. Nach einigen Missverständnissen konnten wir herausfinden, dass er wohl zuvor an dem Tisch gesessen hatte und nur kurz auf Toilette war und wir uns in der Zwischenzeit an seinem Tisch niedergelassen hatten. Nachdem geklärt war, dass das „No Problem“ sei, setzten Lukas und ich unser Gespräch fort und störten uns nicht weiter an der Anwesenheit des Mannes.

Das ging eine Weile ganz gut, aber als wir unsere Getränke serviert bekamen. Nach dem Anstoßen mit unseren betrunkenen Gegenüber versuchte er ein Gespräch mit uns zu beginnen. Leider – oder vielleicht war das auch besser so – gestaltete sich dies als äußerst schwierig, da er weder Deutsch sprechen konnte noch war sein Englisch verständlich. Aus den ersten Gesprächsfetzen entnahmen wir, dass er bei der Telekom arbeitet und Glasfaserkabel verlegt. Deshalb reist er durch ganz Deutschland und ist erst seit 2 Monaten hier. Ursprünglich stammt er aus Litauen. Zwei Jahre hat er in England gearbeitet und dort immer wieder sein gutes Guiness getrunken, aber in Litauen konnte er es einfach nicht bekommen und war aufgrund dessen vom Irish Pub begeistert. Zudem mag er nicht jedes deutsche Bier. Um diese Informationen zu erhalten, war einiges Nachfragen und Scharade spielen notwendig.

Doch dann entwickelte das Gespräch eine seltsame Richtung. Zunächst wollte er uns mitteilen, dass es in Deutschland warm ist oder vielleicht fand er auch etwas anderes heiß – so genau weiß man das nicht. Anschließend teilte er uns durch eine ausgefeilte Zeichensprache mit, dass er die Mädchen an dem einen Nachbartisch – nennen wir es mal hübsch – findet und die am anderen Nachbartisch nicht. Oder er fand die Kerle an den Tischen nicht attraktiv. Auch das war nicht so genau zu entnehmen – seine Zeichensprache war undurchsichtig, seine Ausdrucksweise wohl auch durch den Alkohol stark gehemmt. Anschließend erklärte er uns, wie gut Guiness ist und tauchte seinen Finger in die Schaumkrone um danach den Schaum von seinem Finger zu lecken. Daraufhin zeigte er auf Lukas Bier, dann auf mich und wollte offensichtlich, dass ich es ihm gleich tue. Aus wahrscheinlich nachvollziehbaren Gründen habe ich aber auf diese „Tat“ verzichtet.

Uns wurde langsam etwas mulmig und wir waren uns schon zu diesem Zeitpunkt einig, dass wir nicht mehr lange bleiben wollten. Nur noch das Getränk austrinken und dann lieber woanders hingehen. Doch dann kam der Höhepunkt des Gesprächs. Er zeigte auf uns beide und machte noch eher verwirrende Gesten und als wir sagten „We don’t understand you“, antwortete er nur „You understand good“, wir: „No“,  er: „Yes, you understand good“. So ging das eine Weile bis er wohl davon überzeugt war, dass wir doch nicht soooo „good“ verstanden hatten und er fing an nachzudenken. Dann setzte er zu einem erneuten Erklärungs- oder was auch immer Versuch an. Erst zeigte der Mann auf Lukas und mich, dann anschließend auf sich und machte abschließend ein paar eindeutig zweideutige Gesten. Das wiederholte er noch mal, als er in ratlose Gesichter blickte und wollte anschließend von uns ein nicken und den Daumen noch oben gezeigt haben. Für uns war das allerdings des guten zu viel und es blieb nur noch eine Lösung: Flucht! Und so zahlten wir, erklärten, dass wir los müssten und verabschiedeten uns. Aber auch das Hand schütteln war ein Fehler, zumindest was meine Wenigkeit betraf. Was auch immer er vorhatte, auf jeden Fall hat er die Chance ergriffen und noch kurz an meine Brust gefasst, bevor wir den Laden verlassen konnten.

Nun ja, insgesamt war der Abend zwar erschreckend, aber irgendwie auch lustig. Noch mal brauche ich so ein Erlebnis nicht und irgendwie bin ich auch froh, dass ich dank der Verständigungsprobleme, die durch die Sprachbarriere entstanden, nicht alles verstanden habe, was der Kerl gesagt hat. Oder vielleicht hätte sich am Ende alles als harmlos herausgestellt und wir haben nur alles missverstanden?!? Aber das werden wir wohl nie erfahren….

Übrigens Lukas Blog findet ihr hier 😉

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Ein Kommentar zu “Lost in Translation

  1. Pingback: Und Kühe sind doch nicht lila – Ein Ausflug ins Allgäu | mrsminirobot

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