Reclam-Challenge: Traumnovelle

Zur Zeit stecke ich im Lernstress, weil mir bald ein paar Prüfungen bevorstehen. Da es sinnvoll ist für diese Klassiker der deutschen Literatur zu lesen, wird mein Blog in der nächsten Zeit hauptsächlich mit Rezensionen dieser „gefüttert“ werden. Das ergänzt sich natürlich perfekt mit meiner Teilnahme an der Reclam-Challenge! Hier meine Meinung zum dritten gelesenen Büchlein:

Der Name Arthur Schnitzler wird dem ein oder anderen bekannt vorkommen. Er ist zwar kein deutscher Autor, dafür ein österreichischer Erzähler und Dramatiker. Als einer der bedeutendsten Vertreter der Wiener Moderne führte er den inneren Monolog mit seiner Novelle Leutnant Gustl in die deutschsprachige Literatur ein.

Stanley Kubrick verwendete für seinen Film Eyes Wide Shut Schnitzlers Traumnovelle als Vorlage. Die 1925 erschienene Novelle handelt von Fridolin und Albertine. Die beiden sind verheiratet und haben eine gemeinsame Tochter. Das Ehepaar hat sich voneinander entfremdet und gesteht sich gegenseitig die geheimsten Wünsche. Im Urlaub hatte ein Mann auf Albertine eine starke Anziehung ausgeübt und Fridolin war von einem jungen, entblößten Mädchen fasziniert. Keiner der beiden ist untreu geworden, dennoch zeigt es, dass beide Eheleute mit der momentanen Situation nicht zufrieden sind. Fridolin, der nach einem Krankenbesuch nicht sofort nach Hause zurückkehren will, erlebt eine aufregende Nacht in Wien. Seine suche nach sexuellen Abenteuern im nächtlichen Wien setzt er rachsüchtig fort, nachdem seine Frau ihm von einem Traum berichtet hatte. In diesem betrog sie ihren Mann, lies ihn foltern und hegte den Wunsch bei seiner Kreuzigung zu lachen. Fridolin erzählt seiner Frau von seinen Erlebnissen. Beide sind dankbar, dass sie heil davongekommen sind – egal ob aus den geträumten oder den wirklichen Geschehnissen. Die Eheleute finden am Ende wieder zueinander.

Insgesamt hat mir die Traumnovelle gut gefallen. Die Handlung ist sehr ungewöhnlich und bestimmt nicht jedermanns Geschmack. Die Geschichte wirft die Frage auf, ob wirklich alles, was Fridolin erlebt hat, Realität war oder ob auch er alles „nur“ geträumt hatte. Die Antwort auf diese Frage wird im Buch nicht definitiv beantwortet und bleibt, wie einiges anderes, dem Leser zur Interpretation überlassen.

Reclam-Challenge: Irrungen, Wirrungen

Theodor Fontane gilt als bedeutendster deutscher Vertreter des poetischen Realismus. Bekannt ist besonders sein Werk Effi Briest. 1888 erschien ein Roman von ihm, der den Titel Irrungen, Wirrungen trägt. Auf 180 Seiten beschreibt Fontane ein Liebesverhältnis, das aufgrund der Tatsache, dass es unstandesgemäß ist, scheitern muss. Es geht um die Beziehung zwischen Botho von Rienäcker, einem Baron und Offizier, und der kleinbürgerlichen Magdalene Nimptsch. Zunächst verbringen sie glückliche Tage miteinander, doch die beiden können nicht heiraten, da beide die Standesgrenzen nicht überwinden können. Botho erfährt zudem Druck von Seiten seiner Familie, die finanzielle Probleme hat. Er verlässt schließlich Magdalene, von allen Lene genannt, und heiratet seine Cousine Käthe. Diese ist eine gute Partie und durch die Heirat bessert sich die zuvor miserable Finanzlage der Familie von Rienäcker erheblich. Lene lernt schließlich Gideon Franke, einen Fabrikmeister, kennen und ehelicht diesen. Bis zuletzt hat Botho Sehnsucht nach seiner ehemaligen Geliebten und auch Lene hat noch Gefühle für Botho.

Fontane hat mit Irrungen, Wirrungen einen wundervollen Roman erschaffen, der die damalige Zeit wiederspiegelt. Auch wenn die Thematik heutzutage kein Problem in der Gesellschaft mehr ist, führt es doch vor Augen, dass nicht immer alles so einfach war wie heute. Standesgrenzen bestimmten damals den Alltag und konnten nur schwer überwunden werden – selbst wenn es um das Glück der betroffenen Personen ging. Die Freiheit des Individuums war damals also durch die Unmöglichkeit der freien Partnerwahl eingeschränkt.

Fazit: Das Buch ist absolut lesenswert und gehört definitiv zu einem meiner Lieblingsbücher!

Reclam-Challenge: Educating Rita

Rita versucht durch ein Studium aus der Monotonie der Arbeitswelt auszubrechen. Sie möchte die Perspektivlosigkeit ihres Lebens überwinden. Im Rahmen der Open University soll ihr der ständig trinkende Literaturprofessor Frank Bryant bei der Vorbereitung auf das Examen zur Seite stehen. Dieser möchte sie zunächst an einen anderen Tutoren vermitteln, doch durch ihre offene und direkte Art gewinnt sie ihn für sich. Es entwickelt sich eine Beziehung auf persönlicher Ebene. Der Leser erfährt, dass Rita eigentlich Susan White heißt und eine 26-jährige Friseurin ist. Rita kritisiert das Leben der Arbeiterklasse, der sie angehört, als sinnleer und monton. Durch die Kurse der Open University möchte sie sich weiterbilden und zu sich selbst finden. Im Laufe der Zeit wächst ihr Interesse für Poesie und Literatur, dabei distanziert sie sich immer mehr von ihrem Mann, ihrer Familie und ihren Freunden. Rita fühlt sich als Außenseiter und bezeichnet sich als „half-caste“, da sie nicht mehr vollständig zur Arbeiterklasse gehört, aber wegen ihres Slangs und fehlendem Allgemeinwissens auch noch nicht zur gehobenen Schicht. Schließlich verlässt sie sogar ihren Mann, da dieser gegen die Ausbildung ist.

Rita gewinnt mit der Bildung mehr Selbstbewusstsein, freundet sich mit andern Studenten an und besteht die Prüfungen mit Bravour. Frank fühlt sich von Rita im Stich gelassen und ist der Meinung, dass sie ihre Einzigartigkeit im Laufe der Ausbildung verloren hat. Sie ist jetzt wie jeder seiner anderen Studenten. Zudem versucht Rita nicht mehr den Slang der Arbeiterklasse zu sprechen. Aber auch Rita erkennt, dass das Leben in der gehobenen und gebildeten Schicht nicht perfekt ist, als ihre Mitbewohnerin an einem Selbstmordversuch scheitertet.

Frank wird von seiner Freundin verlassen und wird von Studenten aufgrund seines überhöhten Alkoholkonsums gemeldet. Daraufhin wird er nach Australien geschickt. Er möchte, dass Rita ihn begleitet.

Das Stück Educating Rita von Willy Russell ist ein Drama, das aus 2 Akten besteht. Gelesen habe ich es als Fremdsprachentext – also in der Originalsprache Englisch. Entgegen meiner Erwartungen stellte sich das Stück als durchaus lesenswert heraus. Es regt zum Nachdenken an und zeigt, dass man sich verändern kann – wenn man den Willen dazu hat. Bei der Veränderung geht es nicht um Äußerlichkeiten wie die Frisur, sondern um den Charakter und das Wesen des Menschen. Des Weiteren zeigt es die Ähnlichkeit der Menschen auf – egal aus welcher Schicht sie kommen. Jeder kann Probleme haben und sich „unwohl“ in seinem Bekanntenkreis fühlen. Rita wird langsam Teil der gebildeten Schicht, die sie als die bessere erachtet, und in der sie sich freier fühlt als in der Arbeiterschicht. Frank dagegen mag Ritas Art, die sie zu Beginn des Stückes hat und die sie als typisches Mitglied der Arbeiterklasse charakterisiert. Die Bildung, die an Universitäten gelehrt wird, ist für ihn nur ein Spiel mit bestimmten Regeln, an die man sich zu Halten hat. Für Cleverness ist dort kein Platz. Folglich ist auch die Unterschiedlichkeit von Sichtweisen eine Thematik des Dramas.

Insgesamt ist das Drama durchaus lesenswert, zählt aber definitiv nicht zu meinen Lieblingslektüren!