Von Nürnberg nach München mit der Bahn: Eine Odysee

Langsam tänzeln die Schneeflocken in Richtung Boden. Die Welt schaut aus, wie mit Zuckerguss überzogen. Bei solchen Wetterverhältnissen freut man sich immer besonders auf Bahnfahrten. Immerhin ist die Bahn ja schon immer für ihre Pünktlichkeit bekannt.

Gestern befand ich mich in dieser Situation und dachte zunächst, dass alles gut gehen wird. Aber irgendwie wurde ich die Befürchtung einer Katastrophe nicht los. Und tatsächlich: der erste Teil der Wegstrecke klappte wunderbar, dann will ich in Nürnberg schnell umsteigen und was passiert?!? Der Zug hat ca. 60(!) Minuten Verspätung. Es war spät, dunkel, kalt und ich müde. Das hat gleich mal die Stimmung gehoben. Zudem hatte ich Zugbindung.

Kurz wägte ich ab, ob ich meinen Mund halte und einfach auf den Zug warte oder ob ich mich beschweren gehe. Nachdem ich mittlerweile im Beschweren so supergut geworden bin (Freitag erfolgreich mein iPad wegen eines Kratzers im Display getauscht), habe ich mich für diese zweite Variante entschieden.

Der Bahnmitarbeiter war schon sichtlich genervt ob des Zugchaos. Irgendwie hat er mir Leid getan und ich war freundlich zu ihm – er nur bedingt zu mir. Hat aber eindeutig nicht an mir, sondern an der Bahn gelegen. Nach dieser Aktion bin ich jetzt mit ohne Zugbindung und einem Ausdruck der möglichen Verbindungen in der Hand wieder Richtung Gleise gelaufen. Nach einem kurzen Abstecher auf das Bahnhofsklo, um dort meinen Handyakku zu laden und meine Eltern mal vorzuwarnen, dass sie mich evtl. noch eine Nacht aushalten müssen, habe ich mich ins Abenteuer gestürzt.

Es war nämlich nicht so, dass die restlichen Züge pünktlich gewesen wären. Wäre ja zu schön gewesen… Der nächste Zug fuhr nur mit einem Wagen (Mitfahren nicht garantiert), der darauf Folgende hatte einen technischen Schaden und ist gleich ganz ausgefallen. Als Ersatzzug haben sie einen IC geschickt (Mitfahren nicht garantiert).

Gut, ich stehe also am sehr überfüllten Gleis und warte auf den Ein-Wagen-ICE. Als dieser dann mit etwas Verspätung in den Bahnhof einrollt, stürzen sich die Menschenmassen auf die Zugtüren. Irgendwie habe ich das Mitfahren schon abgeschrieben, aber ich hatte Glück. Nicht nur mit rein gepasst habe ich, sondern auch einen Sitzplatz ergattert. Wieso traut sich eigentlich niemand in die Abteile?

Als ein Schaffner vorbeikam und meine Fahrkarte kontrollierte, wies ich ihn auf die Anmerkung seines Kollegen am Bahnschalter auf der Rückseite der Fahrkarte hin. Er entgegnete mir nur: „Heute schau ich nicht mal mehr nach“.

Am Ende meiner Reise war ich dann doch noch in München angelangt und hatte mein Buch zu Ende gelesen. Mit einem Schmunzeln im Gesicht, da ich immer wieder an die Worte des Schaffners denken musste, schlief ich an diesem Abend besonders gut ein. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass die nächsten Bahnfahrten wieder reibungslos klappen….

Die Reise des Packesels

Dank meines Dualen Studiums darf ich alle paar Monate umziehen. Dann heißt es (fast) mein gesamtes Hab und Gut über 200km mit Zug, S-Bahn und zu Fuß transportieren. Immer wieder kann ich dabei die Hilfsbereitschaft meiner Mitbürger feststellen… oder eben auch nicht.

Als ich die letzten Male umgezogen bin, haben mich fast nur Männer angesprochen, ob sie mir helfen können. Da bin ich auch mit frisch gewaschenen Haaren, einem Lächeln auf dem Gesicht und ausgeschlafen verreist. Gestern war das anders. Mir wurde NUR von Frauen Hilfe angeboten. Ich war total fertig, hatte meine Haare zu einem einfachen Knoten zusammengefasst und total müde – kein Wunder nach max. 5h Schlaf, weil am Vortag ein Konzert war, und dem Streichen eines Zimmers.

Irgendwie finde ich das schon fast schade. Gestern hatte ich sogar den Eindruck, dass sich der ein oder andere Kerl über mich amüsiert hat. Klar, es muss schon ein nicht gerade alltäglicher Anblick sein, ein Junges Mädchen mit einem Trekkingrucksack, einem Notebookrucksack, einer Kameratasche, einem Stoffbeutel voller Essen und einem Koffer zu sehen. Trotzdem liebe Männerwelt: Genau an solchen Tagen brauchen wir eure Hilfe besonders – nicht, wenn wir nur eine Reisetasche die Treppe runter tragen!  Und Vielen Dank an alle Frauen, die mir gestern ihre Hilfe angeboten haben!